Sprechen kann jeder

Sprechen kann jeder. Für das Sprechen vor Publikum brauchen wir grundlegende rhetorische Kompetenzen. Dazu gehören stimmliche und körpersprachliche Aspekte, ebenso wie inhaltliche Tipps. Es geht immer um die Glaubwürdigkeit von drei Aspekten: Körper, Stimme, Wort. Redner, die körperlich und stimmlich überzeugen, dabei emotional berühren, können ihre Inhalte glaubhafter transportieren.

Wie macht man das aber?

Dafür vermittle ich meinen Rednern weitere Fähigkeiten, um das Publikum zu überzeugen. Also natürlich (1) Rhetorische Kompetenzen. Dann aber auch (2) Sozio-psychologische Kompetenzen, also das Publikum betreffend; (3) Emotionale Kompetenzen; (4) Biologische Kompetenzen.

1. Rhetorische Kompetenz: Körper + Stimme + Wort

In meinem Rhetorik Coaching werden zunächst inhaltliche, körperliche und stimmliche Ausdrucksfähigkeiten analysiert, dann trainiert. Der inhaltliche Ausdruck ist rhetorische Voraussetzung. Oder, wie Tucholsky sagte: Klare Disposition im Kopf; Tatsachen oder Appell an das Gefühl, frei sprechend.

Der körperliche Ausdruck ist für jeden im Publikum sichtbar. Jeder Redner bewegt sich individuell, das wird deutlich über Blick, Gang, Schulter- und Kopfhaltung, Gestik und Mimik. Die Bewegungen können schnell, langsam, frei, gleichförmig, unruhig, unregelmäßig sein.

Sogar wie sich der Redner im Raum positioniert, verrät viel über ihn. Über seine Erfahrung und Erwartung. Das kann sich beispielsweise als eher passiv oder aktiv, als tendenziell verteidigend oder angreifend, als eher offen oder verschlossen zeigen.

In der klassischen Sprecherziehung und Stimmbildung, sowie in jedem guten Rhetorik Coaching, bilden Stimme und Körper immer eine Einheit.

Körperlicher und stimmlicher Ausdruck sind voneinander abhängig. Mimik, Gestik, Stimme, Artikulation folgen dem gleichen emotionalen Ausdruck. Entspricht die Stimme nicht dem mimischen Ausdruck, so entsteht ein Widerspruch, der auf Unechtheit schließen lässt.

Emotionen, die der Redner empfindet, werden über seine Stimme hörbar und über seinen körperlichen Ausdruck sichtbar gemacht. Beides muss stimmig sein.

2. Publikumskompetenz: Die Zuhörer

„Ein Podium ist eine unbarmherzige Sache – da steht der Mensch nackter als im Sonnenbad“ (Tucholsky, 1930, S. 35). Die Reaktionen des Publikums können interessiert, gelangweilt, provozierend, begeistert etc. sein. Die Aufmerksamkeit des Publikums hängt vom Inhalt des Gesagten ab. Aber die Bedeutung des Inhalts ist viel geringer, als man vielleicht hofft…

Manchmal folgen die Gedanken der Zuhörer mühelos dem Redner, ohne abzuschweifen oder voraus- oder hinterherzudenken. Manchmal brechen die Gedanken immer wieder ab. Es fällt schwer und braucht viel Konzentration, um zuzuhören (vgl. Rosa, 2016, S. 113).

Die Reaktionen des Publikums beeinflussen den Redner – und zwar gewaltig! Das Publikum reagiert verbal oder nonverbal. Der Redner muss versuchen, diese Reaktionen zu lenken. Ansonsten verliert er seinen roten Faden und die Aufmerksamkeit des Publikums.

3. Emotionale Kompetenz: Angst, Stress und Lampenfieber

Bei rhetorischen Auftritten sind Ängste, Stress und Lampenfieber ein weit verbreitetes Phänomen. Wenn wir mit unseren Emotionen kämpfen, torpediert das unsere rhetorische Kompetenz.

Angst macht tendenziell bewegungsunfähig. Wenn wir Angst haben, werden diese Gefühle sichtbar über Körper, Gestik, Mimik. Und die Angst wird auch über die Stimme hörbar. In diesem Zustand vermeiden wir den Kontakt zum Publikum. Wir kämpfen gegen all diese Gefühle, also auch noch gegen uns selbst.

Wer wiederum sieht, wie ein Redner durch seine mimische, gestische, körperliche und stimmliche Ausdrucksweise Unbehagen und Unsicherheit empfindet, tendiert dazu, die gleichen Gefühle in sich wachzurufen. Obwohl wir wissen, dass es nicht unser Stress ist, kann das Zuschauen stressig sein. Als Zuschauer können wir diese Gefühle jedoch leicht kognitiv blockieren, verändern und umdeuten. Wir ärgern uns dann lediglich über unfähige Redner.

Entscheidend ist es, dass Redner ihre Emotionen managen. Das geht am besten über den Körper und über Gedanken, also mentale Techniken. Tipps und Übungen gegen Stress und Lampenfieber finden Sie hier…….

4. Biologische Kompetenz: Hochatmung, Rotes Gesicht, Schwitzen

Die Atmung ist ein grundlegender biologischer Prozess des Stoffwechsels, des Sprechens und auch unserer Emotionen. Wenn wir schnell und flach atmen, erleben wir Angst, Stress, Lampenfieber. Unser Körper wird sogar zum Verräter unserer Gefühle, wie Rotwerden, Zittern, Schwitzen etc.

Die Atmung spielt sich ab zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein. Sie bleibt aber verflochten mit der Muskeltätigkeit und psychischen Zuständen.

Zuhörer haben nicht nur den Wunsch, den Sprecher zu verstehen, sondern idealerweise sogar begeistert zu werden. Wenn die Atmung beeinflusst wird, kann das Sprechen und damit die Sprecher-Hörer-Beziehung verändert werden.

Die Atmung ist ein Allrounder. Sie hilft, uns zu entspannen, besser stimmlich verstanden zu werden uns sogar körperliche Stresssymptome können gemindert werden.

Nach dem Rhetorik Coaching: Mehr Bewusstsein, weniger Unbewusstsein

Redner haben etwas mitzuteilen. Sie haben eine Einstellung zu dem, was sie mitteilen möchten, aber auch zu Publikum, Ängsten, Zweifeln. All das drücken sie – bewusst oder unbewusst – über Worte, Körper und Stimme aus.

So werden unweigerlich emotionale Zustände ausgelöst. Beim Redner selbst und bei seinem Publikum. Von Begeisterung bis hin zu Langeweile. Die Emotionen des Redners haben wiederum biologische Auswirkungen. Fühlt sich der Redner ängstlich, nervös, unsicher, zweifelnd, dann zeigt sich in Schwitzen, rot werden, Atmung, Black Out, Zittrigkeit, Übelkeit. Negative Emotionen behindern Denken und Sprechen.

In einem guten Rhetorik Coaching arbeiten Sie an allen vier Kompetenzen. Je bewusster Sie Atmung, Gedanken, Interaktion mit dem Publikum, Gesprochenes, körperlicher und stimmlicher Ausdruck steuern, desto stärker überzeugen Sie – auf allen Ebenen.

Das klingt erst einmal nach viel. Aber Sie werden merken, je bewusster Sie mündlich agieren, desto mehr Freude werden Sie haben. Und das wird rüberkommen!

Kurz: Man guckt mehr hin. Und hört mehr zu!